
Der 911er Porsche Carrera ist eine bekannte
Größe auf den Straßen. Die Weiterentwicklung seiner Karosserie ist eher Evolution, denn
deutliche Veränderung im Laufe der Jahrzehnte und Generationen. Unser Testwagen ist dank
seiner indischroten Lackierung ein Blickfang im heutigen silbergrauen Einerlei auf
Deutschlands Straßen.
Auf Basis des 911 Carrera Coupé
entwickelte Porsche den 911er Targa, der seit Ende des vergangenen Jahres zu haben ist.
Auch den 911 Targa ziert das neue Carrera-Gesicht des Jahrgangs 2002. Satte 320 PS leistet
sein 3,6-Liter-Sechszylinder-Boxermotor.

Das Interieur ist vom Feinsten.
Savannabeige vom Leder bis zum Plüschteppich, hochwertige Materialien sind tadellos
verarbeitet. Der Ledersitzbezug und das Drei-Speichen-Sportlenkrad in Leder kosten
allerdings extra, eine elektrische Lehneneinstellung mit manueller Längs- und
Höheneinstellung ist Serie, die vollelektrische Einstellmöglichkeit der Vordersitze mit
Memory-Funktion und Sitzheizung sind aber wieder aufpreispflichtig.
Der Einstieg ist
zumindest für die Frontpassagiere gut, nach hinten geht es nicht so bequem. Platz haben
die Frontpassagiere reichlich auf schön straffen, sportlich konturierten Seriensitzen.
Der Porsche 911 ist kein Viersitzer, sondern ein 2+2-Sitzer. Hinten finden bestenfalls
Kinder oder kleinere Erwachsene Platz, die haben aber immerhin reichlich
Ellenbogenfreiheit. Die Kopffreiheit lässt bei größeren Fondpassagieren, die
Kniefreiheit bei größeren Frontpassagieren naturgemäß schwer zu wünschen übrig.
Kopfstützen gibt es hinten keine. Die Übersicht rundum ist vom Fahrersitz aus recht gut,
auf Wunsch steht aber auch eine Einparkhilfe zu Verfügung.
Der serienmäßige Laderaum des 4,43 m
langen Fahrzeugs findet sich unter der Fronthaube. Die 130 Liter Fassungsvermögen reichen
aber nicht für größeres Gepäck. Wer die Rücksitze des 2+2-Sitzers, die ohnehin nur
für kurze Touren zu gebrauchen sind, umklappt, erhält unter der elektrisch
entriegelbaren aufklappbaren Heckscheibe gute 230 Liter zusätzlichen Laderaum. Das reicht
dann für das Wochenend-Gepäck für Zwei.

Die Instrumententafel mit Schaltern und
Anzeigen ist aufgeräumt und klar geordnet. Fast alles findet der Fahrer am rechten Platz,
lediglich das Navigationssystem sitzt etwas zu tief. Klimaautomatik, grün getönte
Wärmeschutzverglasung und Bordcomputer sind Serie, die Geschwindigkeitsregelung Tempostat
sowie das Porsche Communication Management (PCM) mit Informations- und Navigationssystem
(inkl. GSM-Freisprechtelefon, Cassettenradio und Bordcomputer) sind Sonderausstattung.
Der Targa hat bei Porsche Tradition, die
Bezeichnung "Targa" ist von Porsche geschützt. Vier Jahre musste die aktuelle
911er Generation ohne Targa auskommen, erst seit Ende letzten Jahres gibt es ihn wieder,
den Wagen der nicht ganz offen, aber auch nicht ganz geschlossen ist.
Das Glasdach lässt sich bei jeder
Geschwindigkeit öffnen. Beim Öffnen fährt ein kleiner Windabweiser hoch, der die
Insassen sehr wirkungsvoll vor dem Fahrtwind schützt. Selbst bei 230 km/h ist es ziemlich
windstill, wenn auch alles andere als ruhig. Mit geschlossenem Verdeck kann der Targa
sogar mit einer geschlossenen Limousine mit guter Karosseriedämmung mithalten.

Der auf 3,6 Liter erweiterte Sechszylinder
ist seit dem Modelljahr 2002 für die ganze 911-Carrera-Reihe zu haben. 20 PS mehr als der
3,5-Liter-Motor leistet das neue Aggregat. Traditionell liegt der Boxermotor beim 911er
hinten. Die Kraft seiner 320 Pferdchen überträgt der Sechszylinder über die
Hinterräder auf den Asphalt. Neu ist die weiterentwickelte Nockenwellenverstellung
VarioCam Plus. Sie verringert den Kraftstoffverbrauch im Leerlauf und Teillastbetrieb. Das
maximale Drehmoment von 370 Nm liegt zwar erst bei 4.250 U/min. an, aber schon jenseits
der Leerlaufdrehzahl wuchtet der Motor ein sattes Drehmoment von 290 Nm auf die
Kurbelwelle.

Antrittsstark setzt der Motor den 1,5 t
schweren Targa in Bewegung und lässt es über das gesamte Drehzahlband nicht an Durchzug
mangeln. Kultiviert, rund und vibrationsarm läuft der Sechszylinder-Boxermotor, das
dezente sonore Brummen verdankt er dem Auspuff.
Kurz sind die Schaltwege der leicht und
präzise zu führenden Sechsgang-Schaltung. Den Sprint von 0 auf Tempo 100 absolviert der
Targa in beeindruckenden 5,2 Sekunden, von 0 auf Tempo 160 vergehen auch nur 11,4
Sekunden, die 200-km/h-Marke passiert er nach 18,3 Sekunden. Bei Tempo 285 ist dem
Vortrieb ein natürliches Ende gesetzt. Der Verbrauch liegt bei allen heckgetriebenen
911er bei üppigen 16,1 Litern Super Plus je 100 km im Stadtverkehr das ist nicht
gerade sein Revier , 8,1 Litern außerorts sowie 11,1 Litern im gemischten Verbrauch
nach EU-Norm. Der Motor erfüllt die Abgasnorm D4.
Zur schnellen Vernichtung des Vortriebs hat
Porsche dem Targa Vier-Kolben-Monobloc-Festsattel-Bremsen spendiert, mit Bremsscheiben
rundum innenbelüftet und gelocht für bessere Bremsleistung sowie mit ABS und
Bremsbelagverschleiß-Überwachung. Die Bremswege lassen entsprechend auch keine Wünsche
offen.

Die Lenkung arbeitet sehr direkt. Präzise
und spurtreu lässt er sich um jede Kurve dirigieren. Und für die Kurven ist er gebaut:
Sportlich agil und dynamisch setzt er sich dort in Szene, dass es die wahre Freude ist.
Ein kleiner Wendekreis tut ein übriges, um den Spaß am Kurvenfahren zu wecken. Heckmotor
mit Heckantrieb machen seine Faszination aus. Der Grenzbereich liegt dank der gekonnten
Fahrwerksabstimmung sehr hoch. Dafür ist er dann aber sehr kurz, bis der Wagen die
Haftungsgrenze erreicht hat.
Serienmäßig steht der Targa auf
17-Zoll-Rädern. Unser Testwagen war ausgestattet mit dem 18-Zoll-Carrera-Rad und 225/40er
Reifen vorne sowie 285/30er Reifen hinten. Vor allem auf feuchter oder gar nasser Straße
ist die Haftungsgrenze damit eher erreicht. Leichtes Schieben über die Vorderräder
kündigt in zu schnell gefahrenen Kurven den Grenzbereich an. Wer zuviel Gas wegnimmt, um
die Spur zu korrigieren, wird feststellen, dass das Heck dann leichter wird und der
Porsche sich anschickt, den Pfad der Tugend zu verlassen. Das (leider nicht
serienmäßige) Fahrstabilitätsprogramm PSM (Porsche Stability Management ist auch
als ESP bekannt) ist hier eine Hilfe, kann aber die Grenzen der Fahrphysik auch nicht
aufheben. Der 911er Porsche bietet Fahrdynamik pur, ist aber im Grenzbereich auch mit PSM
sehr anspruchsvoll im Handling.

Sicher und solide liegt er auch bei
höheren Geschwindigkeiten auf der Fahrbahn, bei Geschwindigkeiten ab Tempo 120 verbessert
der serienmäßige, automatisch ausfahrende Heckspoiler den Abtrieb. Sportlich straff wie
es sich gehört liegt er auf der Straße, ist dabei aber keineswegs unkomfortabel. Die
Feder-Dämpfer-Abstimmung unterdrückt Seitenneigung in Kurven und Aufbaubewegungen der
Karosserie zuverlässig.
Passive Sicherheit bieten
Seitenaufprallschutz, verformbare Bug- und Heckteile mit integrierten
Leichtmetallstoßfängern, Front- und Seitenairbag für Fahrer und Beifahrer, Kopfstützen
vorne und Drei-Punkt-Gurte auf allen Sitzen. Das Fahrstabilisierungsprogramm PSM mit ABS,
ASR und Automatischem Bremsendifferenzial ABD sowie das Bi-Xenonlicht mit dynamischer
Leuchtweitenregulierung gibt es nur gegen Aufpreis.

Ab 81.316 Euro steht der 911er Targa in der
Preisliste. Damit ist er über 2.000 Euro günstiger als das 911 Carrera Cabriolet. Die
Serienausstattung umfasst Wärmeschutzverglasung, elektrische Fensterheber, elektrisch
einstellbare und beheizbare Außenspiegel, Cassettenradio mit integrierter
Scheibenantenne, Bordcomputer und Klimaautomatik, funkfernbediente Zentralverriegelung
für Türen und Schiebedach sowie elektrische Entriegelung von Kofferraum- und
Motordeckel.
Edler und individueller wird der Targa mit
Extras wie 18-Zoll-Leichtmetallfelgen, Grünkeil-Windschutzscheibe, Ledersitzen mit
vollelektrischer Sitzeinstellung, Memory-Funktion und Sitzheizung sowie den
verschiedensten anderen Extras, die den Rahmen dieses Berichtes sprengen würden. Porsche
fahren war halt noch nie ein billiges Vergnügen.

Porsche gewährt zwei Jahre Garantie auf
den Wagen, drei auf den Lack sowie zehn Jahre auf die Karosserie gegen Durchrostung. Zwei
Jahre Mobilitätsgarantie gibt Porsche dem Fahrzeug ebenfalls mit. Diese
Mobilitätsgarantie kann gegen geringe Beiträge von Jahr zu Jahr verlängert werden. Die
Versicherungen stufen den Targa in die Klassen 16 / 33/ 40 (KH / VK / TK) ein. |