Der Passat Variant ist schon seit Jahren ein
alter Bekannter. 1996 kam die fünfte Generation auf den Markt, ein Facelift hat ihn im
Herbst 2000 noch einmal aufgefrischt und aufgewertet. Als Krönung der Baureihe erschien
dann im Frühjahr 2001 der Passat als Limousine und als Variant für eilige Vertreter: Ein
dezentes verchromtes "W8" im Kühlergrill, "W8" und
"4Motion" an der Heckklappe, ein bisschen serienmäßiger Chromzierrat mehr
sowie zwei verchromte Doppel-Auspuffendrohre hinten deuten an, das bei diesem Kombi mehr
unter der Motorhaube steckt, als was man gewöhnlich bei einem Passat erwartet. Muntere
275 Pferdchen aus acht Zylindern und vier Litern Hubraum lassen den Passat Variant
schneller laufen, als die Polizei erlaubt. Was der Wolfsburger Laster sonst noch zu bieten
hat, erfuhren wir in einem Passat Variant W8 4Motion in der Perleffekt-Lackierung Petrol.

Vier Türen bieten den Passagieren vorne
wie hinten reichlich Platz zum Einsteigen, die weit öffnende Heckklappe mit niedriger
Ladekante ein bequemes Einladen auch schwerer Güter. Die beim Passat serienmäßigen
verchromten Umrandungen der Seitenfenster, Chromzierleisten im Kühlergrill, an den Seiten
und bis in die Stoßfänger hineingezogen sowie die verchromte Dachreling setzten Akzente
auf der dunklen Karosserie. Leider bestehen die Schweller aus vernarbtem Kunststoff und
sind nicht lackiert. Das macht sie sehr anfällig für jede Spur von Dreck.

Die sportlich-straffen Sitzpolster sind
gut konturiert und bieten ausreichend Seitenhalt. Dem guten Platzangebot vorne steht in
dem 4,68 m langen Fahrzeug auch ausreichend Platz für die Fondpassagiere gegenüber.
Reichlich Knieraum haben sie auch dann, wenn vorne große Leute sitzen. Der mittlere Sitz
ist etwas eng, aber wann fährt man auch schon mit fünf Leuten. Die Übersicht ist recht
anständig, für hinten gibt es aber auch eine Einparkhilfe, und das ist gut so. Die
Karosserie glänzt mit guter Verarbeitung, aber nicht so richtig mit guter
Geräuschdämmung. Windgeräusche sind schon bei normaler Autobahnfahrt deutlich
vernehmbar.

Bei der Bedienung von Schaltern und dem
Ablesen der Anzeigen gibt es nichts zu bemängeln: Alles aufgeräumt und dort, wo man es
sucht. Qualitativ wirkt der Innenraum hochwertig: Ledereinsätze in den Türen,
serienmäßige Chromleisten, Chromzierringe sowie Holzeinlagen gehören im W8 zur
Serienausstattung. Lederlenkrad, Schaltknauf und Bremshebel in Leder gehören ebenfalls
zur Grundausstattung, die sportlichen Ledersitze (elektrisch einstellbar mit
Memory-Funktion für den Fahrer) gibt es als Sonderausstattung.
Ablagen gibt es im Innenraum reichlich,
aber leider ist die Mittelkonsole so voll, dass für die Sonnenbrille gut erreichbar nur
die miteinander verbundenen Getränkedosenhalter auf dem Mitteltunnel bleiben. Ansonsten
sind die Frontpassagiere gut versorgt: Vom Handschuhfach über Fächer in den Türen,
Getränkedosenhalter bis hin zu einem kleinen Fach links unterm Lenkrad reicht die
Auswahl. Die Fondpassagiere müssen mit Taschen auf den Rückseiten der Vordersitze und
einem Staufach in der Mittelarmlehne auskommen. Fächer in den Türen gibt es hier nicht.
Mit 450 bis 1.545 Litern Fassungsvermögen ist der Laderaum des Variant sehr
schluckfreudig, fast quadratisch nutzbar und über eine niedrige Ladekante gut zu beladen.
Die erlaubte maximale Zuladung von 500 kg dürfte aber für manche Verwendungen etwas
knapp bemessen sein. Die Rückbanklehne ist 1 : 2 geteilt umklappbar und ermöglicht ein
möglichst breites Beladen bis nach vorne mit einem Passagier hinterm Fahrersitz.

Die Serienausstattung des Variant W8 sind
angenehm umfangreich: Klimaautomatik, elektrisch einstellbare und beheizbare
Außenspiegel, beheizbare Scheibenwaschdüsen vorne, elektrische Fensterheber vorne und
hinten, beleuchtete Spiegel in beiden Sonnenblenden, Alarmanlage und eine funkfernbediente
Zentralverriegelung mit separater Entriegelung für den Gepäckraum sowie Bi-Xenon-Licht
mit dynamischer Leuchtweitenregulierung.
Optional verfügt unser W8 über
Ledersitze (vorne elektrisch einstellbar), Sitzheizung, ein Multifunktions-Lederlenkrad,
Nebelscheinwerfer, Geschwindigkeitsregelung, eine Einparkhilfe hinten, Regensensor,
Navigationsradio mit CD-Wechsler (im Laderaum) und Autotelefon. Die Laderaumabdeckung und
die Dachreling sind Serie, Aufpreis kosten aber das Gepäcktrennnetz und die
Anhängerkupplung ebenso wie der dritte Drei-Punkt-Gurt und die dritte Kopfstütze auf der
Rückbank.

Volkswagens Achtzylinder-Motor besteht
aus einer doppelten V-Konstruktion daher W8 mit versetzt angeordneten
Zylindern, um im vorhanden Motorraum Platz zu finden. 275 PS schöpft er aus vier Litern
Hubraum, sein maximales Drehmoment von 370 (!) Nm liegt bereits frühzeitig, nämlich bei
2.750 Touren, an. Mindestens 280 Nm sind es über das ganze Drehzahlband, das ist einfach
nur Kraft satt mehr als ausreichend auch in einer Karosserie von 2.320 kg (!)
Lebendgewicht.

Dieser Motor hat es als Antriebsquelle
wirklich in sich und leistet sich auch dann keine schwachen Momente, wenn er in fixer
Kurvenhatz die Serpentinen mühelos hochzirkelt. Souverän in Durchzug und
Leistungsentfaltung, superkultiviert und laufruhig, leise und vibrationsarm ist dieser
Motor einfach vom Allerfeinsten. Erst beim kräftigen Tritt aufs Gaspedal wird der Motor
akustisch präsent. Die manuelle Sechsgang-Schaltung glänzt mit präzisem Handling auf
kurzen Schaltwegen, auch wenn sich der Hebel nicht gerade butterweich führen lässt.
Den Tank mit einem Fassungsvermögen von
80 Litern braucht der W8! Sowohl in der Stadt (Herstellerangabe ca. 19,4 Liter Super Plus
je 100 km) als auch auf der Autobahn bei gepflegt-flottem Tempo gibt sich der Achtzylinder
erwartet schluckfreudig. In acht Töpfen verbrennt halt mehr als in vier. Immerhin
erfüllt der Achtzylinder-Benziner die Abgasnorm EU4. Bei ökonomischer Fahrweise kann er
aber außerorts durchaus mit ca. 9,6 Litern (alles Herstellerangaben) auskommen, das setzt
aber wohl Fahrten mit eingeschalteter Geschwindigkeitsregelung voraus, denn mit Fuß auf
dem Gaspedal verliert man jedes Gefühl für die tatsächliche Geschwindigkeit je mehr die
Tacho-Nadel in Richtung 300 wandert. Bis dorthin reicht das Ziffernblatt, wobei der Motor
aber "schon" bei einer Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h elektronisch
abgeregelt wird. Im gemischten Verbrauch nach EU-Norm schluckt er 13,2 Liter Super Plus je
100 km ökonomische Fahrweise vorausgesetzt. Dafür entschädigt aber die
Beschleunigung: Von Null auf Tempo 100 in 6,8 Sekunden ist ebenso sportwagenverdächtig
wie die Vollbremsung bei einer Bremsanlage mit großdimensionierten Scheibenbremsen
(Durchmesser 334 mm vorne, 269 mm hinten), rundum innenbelüftet.

Der Passat W8 kommt auch als
Variant serienmäßig mit Allrad-Antrieb 4Motion. 4Motion ist ein permanenter
Allrad-Antrieb mit automatisch sperrendem Torsen-Differenzial und elektronischer
Differenzialsperre für Vorder- und Hinterachse, um die Traktion auf allen vier Rädern
immer gleichmäßig zu halten. Brillant ist beim Allradler natürlich die Traktion, aber
zu schnelle Kurvenfahrten und flott gefahrene plötzliche Spurwechsel sind nicht ganz
unproblematisch, weshalb das serienmäßige ESP auch hier früher eingreift als beim
Fronttriebler. Insgesamt ist das Handling aber bei normalem Tempo problemlos. Auch
plötzliche einfache und doppelte Spurwechsel bei höherem Tempo meistert er dank ESP
solide und ohne tückische Lastwechselreaktionen. Die direkt ausgelegt Lenkung spricht
schnell an und macht Spaß. Da vergisst man glatt, dass man in einem großen Fahrzeug
sitzt. Zielgenau lässt sich der Kombi auch um enge Kurven dirigieren.
Der W8 steht serienmäßig auf
17-Zoll-Leichtmetallrädern mit 225/45er Reifen. Das ist schon mächtig breit. Dennoch
bietet der W8 dank einer gelungen Feder-Dämpfer-Abstimmung einen guten Kompromiss aus
sportlich-straff und sicher und einem gewissen Komfortanspruch.

Zur serienmäßigen passiven
Sicherheitsausstattung zählen Verformungszonen vorne und hinten in der Karosserie,
Versteifungsprofile in den Türen, Kopfstützen und Drei-Punkt-Gurte auf allen
Außenplätzen, Beckengurt hinten in der Mitte, Front- und Seitenairbags vorne,
Kopfairbags für vorne und hinten. Den Fahrer unterstützen Fahrassistenzsysteme wie die
Antriebsschlupfregelung, ESP, ABS, einen elektronische Bremskraftverteilung und der
Bremsassistent. Die serienmäßigen Bi-Xenon-Scheinwerfer sind mit dynamischer
Leuchtweitenregulierung ausgestattet.
Das Gepäcktrennnetz kostet ebenso
Aufpreis wie Drei-Punkt-Gurt und Kopfstütze auf dem mittleren Platz hinten.
Isofix-Vorrüstungen für zwei Kindersitze auf der Rücksitzbank sind Serie, optional gibt
es auf der Rückbank zwei integrierte herausklappbare Kindersitze, aber nicht in
Verbindung mit der Lederausstattung.

Der "normale" Passat steht ab
20.900 Euro in der Preisliste, die Kombi-Version Variant ab 21.950 Euro. Mit
Achtzylinder-Motor und Allradantrieb 4Motion muss der Kunde aber schon ab 42.500 Euro für
den Kombi hinlegen. Aufpreis kosten aber auch hier unter anderem die Anhängevorrichtung,
das Gepäcktrennnetz, Kopfstütze und Drei-Punkt-Gurt für den Mittelsitz hinten sowie die
Perleffekt-Lackierung.
Volkswagen gibt zwei Jahre
Gewährleistung auf den Wagen und alle beim VW-Händler eingebauten Original-Ersatzteile,
drei Jahre auf den Lack sowie 12 Jahre auf die Karosserie. Die Service-Intervalle liegen
bei 30.000 km oder zwei Jahren. Die Versicherungen stufen den Passat Variant W8 in die
Typklassen 20 / 30 / 35 (KH / VK / TK) ein. |